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Julio César

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Vorname :   Julio César
Land :   Costa Rica
Geburtsjahr :   1965
Angestrebtes Bildungsziel :   Theologie
Beginn der Förderung :   2012
Beendigung der Ausbildung:

 2014 Bachelor Teol.

 2016 Lic. Teol.

 

Auszug aus Revista 4 /2012

Julio ist Musiker und theologischer Mitarbeiter der Lutherischen Kirche in Costa Rica (ILCO) Er will sein Theologie-Studium fortsetzen, um sich in die Gemeinden besser einbringen zu können und theologische Erkenntnisse zu erlangen. Er studiert Bibelwissenschaften und es fehlt ihm noch ein Semester zum Abschluss der ersten Phase, bzw. eineinhalb Jahre, um sein Studium mit dem Magister abzuschließen. Das wäre im Juni 2013.

Er strebt an, später im Berufsleben in den Gemeinden der ILCO als Pfarrer zu arbeiten und zudem seine akademische Arbeit als Dozent fortzusetzen. Er engagiert sich bereits jetzt in der pastoralen Arbeit der städtischen Gemeinden (La Carpio, Alajuelita, San Sebastian und Puriscal) der ILCO.

Er findet die Rolle der Kirche und ihre Aufgaben für die Veränderung der costaricanischen Gesellschaft sehr wichtig und notwendig.

 

Auszug aus Revista 7/ 2013

Im vergangenen Jahr konnte ich die erste Etappe des Theologie-Studiums beenden. Meine Noten waren ausgezeichnet, die höchste Stufe. Das dabei erworbene Wissen konnte ich bereits in der pastoralen Praxis in La Carpio einsetzen.Gleichzeitig stand ich aber auch anderen Gemeinden der Lutherischen Kirche bei Bedarf zur Verfügung. Für mich bedeutete das tausendfachen Erfahrungsgewinn durch die Arbeit mit Jugendlichen, Kindern und Frauen und durch die Mitwirkung bei liturgischen Feiern. Ich bin überzeugt, dass die Aufgaben der Kirche für die Gesellschaft von Costa Rica äußerst notwendig sind, insbesondere die Arbeit in den sozialen Brennpunkten, daher gehe ich mit hohem persönlichem Einsatz im pastoralen Bereich daran, die Entwicklung innerhalb der Gemeinde voranzubringen. Das Jahr 2013 bedeutet für mich auf meinem Lebensweg einen ganz besonderer Meilenstein. Am 31. Juli war in der UBL (Universidad Bíblica Latinoamericana) meine Sponsionsfeier (bachillerato), zu deren Eröffnung ich mit meiner Familie „Einekleine Nachtmusik“ spielte, um auch den europäischen Teil meines Erfolges in diesem Moment präsent werden zu lassen. Am 1. September zelebrierten wir dann meine Ordination als Pastor („pastor-diácono“) im Rahmen des 25. Jubiläums der ILCO, zu der auch viele Freunde aus den Partnerschaftskirchen in Deutschland und Schweden gekommen waren. Mein Studium ist jetzt dem Ende nahe: Ich habe mir zum Ziel gesetzt, die letzten Fächer (fünf sind bereits abgeschlossen) der „Licenciatura“ (Magisteraufbaustudium) und meine zweite Diplomarbeit bis Ende 2014 abzuschließen und hoffe sehr auf die Unterstützung für meinen Endspurt! Ich bin glücklich über diese Riesenschritte in meinem Leben. Deshalb möchte ich meiner Dankbarkeit für all die Unterstützung der Döbrich-Stiftung, d.h. Euch allen, hiermit Ausdruck verleihen.Herzlich grüßt Euch,
 

Auszug aus Revista 11 / 2015

Obwohl das Thema seiner „Tesis“ bereits genehmigt worden war, musste er noch eine zusätzliche akademische Arbeit anfertigen, denn die Noten eines Tutoriums waren versehentlich nicht eingetragen worden. Auch war in diesem Jahr die Umstrukturierung der costaricanischen Kirche, der Iglesia Luterana Costarricense, vorrangig. Hierdurch wurde das Pfarrerteam so gefordert, dass wenig Zeit für anderes blieb. Seine noch ausstehende Tesis verblieb auf der Stufe einer „Vorarbeit“, von wo aus er aber jederzeit weitermachen kann. Julio ist sich sicher, dass er sein Studium im nächsten Jahr vollständig abschließen wird.

Auszug aus Revista 13/ 2016
chon seit 15 Jahren bin ich nun mit meiner Familie in Costa Rica, 15 Jahre Studium an der UBL, und 14
Jahre mit der lutherischen Kirche ILCO (iglesia luterana costarricense) in immer enger werdender Beziehung. Die ganzeFamilie war von Anfang an ehrenamtlich aktiv, und bei mir wurde meine Arbeit in der Kirche immer mehr zum Hauptberuf. Seit 5 Jahren nun bin ich Teil des Pastorenteams. Meine Zielgruppen sind weit gestreut, von den indigenen Bevölkerungsgruppen der Huetar (Region Quitirrisi) und Malekus (Region
Guatuso) bis hin zum Armenviertel La Carpio.
Dazu kommen Besuche in anderen Gemeinden. Als Liedermacher und Sänger war ich als singender Pastor überall schnell ein Begriff. So konnte ich in Zusammenarbeit mit der schwedischen Kirche eine zeitgenössische “Messe” (“Andar en comunidad” - Gemeinschaft gehen) komponieren und an Liederbü-
chern für den Gemeindegesang (mit Noten) sowie an einem Kinderliederbuch arbeiten.
Für den erfolgreichen Abschluss meines Bibelwissenschaftsstudiums (Lizenziat am 7.9.2016) hat mich ein
alter vorpaulinischer Hymnus zu meiner schriftlichen Arbeit inspiriert. Und so lautet der Titel meiner Arbeit: “Kenosis: Loslassen, Leerwerden und Verringern. Ökologische Interpretation eines Hymnus im zentralamerikanischen Kontext. Philipperbrief 2,5-11.”
Was hat mich zu diesem Thema meiner Abschlussarbeit an der Universidad Bíblica Latinoamericana (UBL) in Costa Rica bewogen?
Inmitten einer dominanten wirtschaftchen Logik des Wachsens ist schon allein die Thematik, der ich mich in
meiner Arbeit stelle, eine Gegenkultur, dem “mainstream” entgegengesetzt.
Aber gerade in der Aktualität des Klimawandels sind Termini wie “Loslassen und Verringern” so wesentlich
für unseren Bewusstwerdungsprozess und die notwendigen Konsequenzen für unser Handeln. Für diese inneren Wandlungsprozesse ist die Kunst der Poesie und Musik sowie auch die Liturgie ein inspirierendes Medium, das uns auf ganz besondere Art und Weise eine Dimension öffnet, die weit über unser jetziges wirtschaftliches, oft zu kurzsichtiges kapitalistisches Denken hinausführt.
Als Mensch aus Zentralamerika, mit noch unerforschtem Reichtum an Artenvielfalt in uns verbliebenen
Urwäldern, und auch als Künstler wage ich es, umzudenken und kreative Vorschläge für radikale Lebens-
veränderung zu träumen:
Auszug aus Revista 16/ Musik und Pfingsten

 

Diese Malerei spiegelt eben dies wider: „Musik und Pfingsten“ Es erzählt uns, wie so eine „Atolada“ in Zentralamerika abläuft: die frisch geernteten Maiskolben werden zu einem leckeren Maisgetränk (Atol) und vielen anderen köstlichen Speisen (tamales, elote, etc.) zubereitet. Dabei wird Musik gemacht und so die ersten Früchte der Ernte gefeiert. Die Ernte in Lateinamerika ist ein besonderer Anlass, der zum Singen und Musizieren anregt und so der Dankbarkeit ihren gebührenden Ausdruck verleiht. Auch das jüdische Volk feierte mit Freude und Gesang so ein Erntedankfest, das sie „das Fest der ersten Früchte“ nannten, woraus später „Pfingsten“, das „Fest de Wochen“ (Shavuot) wurde. Dieses „Pfingstfest“ im Judentum erinnert auch an den Erhalt der 10 Gebote am Berge Sinai, eine weitere „Errungenschaft“ der Gesellschaft, die Anlaß zum Feiern und Musizieren gibt. Also ist Pfingsten laut Leviticus 23 eine der 3 Hoch- Zeiten des Judentums, die mit viel Freude begangen werden. Im zweiten Testament ist in der Apostelgeshichte (2. Kapitel) vom Pfingstfest die Rede, zu dem viele verschiedene Menschen nach Jerusalem gekommen waren, als der Heilige Geist „erste Früchte“ hervorbringt, indem er die Angst und Gelähmtheit der Jünger verwandelt in Mut und Tatendrang, Zeugnis abzulegen, und sozusagen die Geburtsstunde des Christentums darstellt, was uns besonders heute in Costa Rica inspiriert. Warum? In Costa Rica wird gesungen und es gibt auch immer wieder gute Anlässe (Ernten) dazu: vielleicht weil es zum „ glücklichsten Land der Welt“ ernannt wurde, oder weil es seit 1948 kein Militär mehr gibt, oder doch vielmehr wegen seiner unglaublichen Artenvielfalt der Flora und Fauna, seiner indigenen Ureinwohner (8 vershiedene Stämme in 24 Territorien) sind wirklich Anlass zur Freude und Dankbarkeit. Aber gerade jetzt, in diesem Jahr 2019, spüre ich, als Glaubender und Künstler, die wir sensibel die konkreten Geschehnisse unserer Unwelt betrachten, dass sich eben das, was vor 2000 Jahren um Pfingsten herum geschah, sich heute wieder ereignet, hier in Costa Rica. Heute vor 2000 Jahren, nach der Ermordung ihres charismatischen leaders namens Jesus von Nazareth, waren seine Jünger hinter Schloß und Riegel inmitten von Angst, ja Horror, versammelt. Am 18. März 2019 um 9:15 nachts, wurde eine wichtige Führungspersönlichkeit der indigenen Bevölkerung Costa Ricas allein in seiner bescheidenen Hütte kaltblütig ermordet: Sergio Rojas, indigena Bribri, territorio Salitre im Süden des Pazifik in Costa Rica, verteidigte die Menschenrechte der indigenen Bevölkerung, u.a. ihr Recht auf ihr Land, das ihnen sogar innerhalb ihres Territoriums von weißen Großgrundbesitzern über korrupte Rechtsanwälte widerrechtlich genommen wurde. Dieser politische Mord versucht die Bewegung der Urbevölkerung, die sich um Zurückgewinnung ihres Landes bemüht, zu stoppen, einzuschüchtern, und mit brutaler Gewalt zu bedrohen, da das Recht zwar eindeutig auf Seiten der indigenas ist, jedoch leider nur auf dem Papier. Und so wie die Jünger Jesu, sind wir Solidaritätsgruppen in großer Sorge und Angst, inspirieren uns in der Pfingstgeschichte, und deklarieren voller Hoffnung: „Sergio wurde nicht begraben, sondern geht die Saat auf!“ So wie Jesus, sind Oscar Romero in El Salvador, Berta Caceres (indigena lenca) in Honduras und Sergio Rojas Menschen, deren Einsatz für Menschenrechte und Bewahrung der Schöpfung wie Samen in UNS als fruchtbare Erde fallen mögen, um potenziert ihren Einsatz fortzusetzen und zu bezeugen: Die Hoffnung ist nicht umzubringen! Die Stimme die nach Gerechtigkeit zum Himmel schreit, hat sich vervielfacht! Das ist das Lied auf unseren Lippen hier in Costa Rica, unser Pfingstlied hier und jetzt auf der ganzen Welt!

 

Auszug aus Revista 16/ neue Kirchenleitung ILCO

 

 

Die ILCO wählte auf ihrer Generalversammlung in Februar eine neue Kirchenleitung. Dazu gehören der ehemalige Stipendiat Julio Melara (Revista 11 und 13) und – als Schatzmeisterin – die Stipendiatin Yudy Torres (Revista 13): (V.r.n.l.): Präsident Pfr. Gilberto Quesada, Sekretär Luis Zamora (Laie – Inklusive Gemeinde in Paso Ancho), Vizepräsidentin Esmeralda Pérez (Laiin, Gemeinde “Der gute Hirte” in San Juan de Quitirrisí), Beisitzer Oscar Varela (Laie, Gemeinde “Peter und Paul” in Paso Ancho), Beisitzer Rocio Umaña (Laie, Gemeinde “Peter und Paul” in Paso Ancho), Beisitzer Pfr. Julio Melara, Gemeinde “Gemeinsam unterwegs” La Carpio), Schatzmeisterin Yudi Torres (Laiin, Gemeinde “Betania” in Puriscal) und Beisitzer Lic. Oscar Retana, Koordinator des Programms “Indigenes Recht”).

Neue Kirchenleitung ILCO Presidente, Pastor Gilberto Quesada, Secretario, Sr. Luis Zamora (Laico Congregación Fe Inclusiva en Paso Ancho), Vicepresidenta, Sra. Esmeralda Pérez (laica, Congregación el Buen Pastor en San Juan de Quitirrisí), Vocal 1 Sr. Oscar Varela (Laico Congregación San Pedro y San Pablo en la comunidad de Paso Ancho), Vocal 2: Sra. Rocio Umaña (Laica Congregación San Pedro y San Pablo en la Comunidad de Paso Ancho), Vocal 3: Pastor Julio Melara, Congregación Andar en Comunidad en la comunidad de la Carpio), Tesorera, Joven Yudi Torres (laica, Congregación Betania en la comunidad de Puriscal) y Fiscal Lic. Oscar Retana, coordinador del Programa Jurídico Indígena).

Auszug aus Revista 18/Gedicht

Der Wind durchdringt

(Text und Musik: Julio Melara)

Eingesperrt in unsere Angst

draußen pflegt die Ungerechtigkeit

zu kreuzigen

das Schweigen hält uns gefangen

lähmt unsere Träume von Freiheit

die Traurigkeit frisst uns auf

legt die Wahrheit in Ketten

zwischen geschlossenen Türen und Fenstern

die nichts hinein und nichts hinaus lassen

sie lassen nichts herein! sie lassen weder ein noch aus!

Aber der Wind dringt ein ohne zu fragen

erfrischend macht auf!

und lässt das Licht durchkommen

das Licht dringt durch! das Licht bricht durch!

das Feuer besiegt die Angst

das Leben – den Schmerz

das Wort bricht das Schweigen

und in der Verschiedenheit und Vielfalt

entsteht das Wunder des sich gegenseitigen Verstehens!

Ich sehe und kann es doch nicht glauben,

sollte ich es nicht als „trunkene Verrücktheit“ abstempeln?

die ausgedrückte Sehnsucht nach jenen Träumen von Freiheit!

doch ich verweile noch in meiner Traurigkeit

die die Wahrheit in Ketten legt verschließe

meinen Kopf ohne etwas raus noch rein zu lassen

ich lasse nichts herein! ich lasse weder ein noch aus!

Aber der Wind dringt ein ohne zu fragen

erfrischend macht auf! und lässt das Licht durchkommen

durchdringen! durchbrechen!

das Feuer besiegt die Angst das Leben – den Schmerz

das Wort bricht das Schweigen und in der Verschiedenheit

und Vielfalt entsteht das Wunder des sich gegenseitigen Verstehens!