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Zentralamerikareise (5.2.-1.3.2014)

Kurzbericht Zentralamerikareise (5.2.-1.3.2014)

Im Februar hatten vier Mitglieder des Revista-Teams (Beth Shaw, Ingrid Keil, Dieter Knauer und Wolfgang Döbrich) Gelegenheit, die Partnerkirchen in Zentralamerika zu besuchen und einen Großteil der StipendiatInnen der Döbrich-Stiftung zu treffen. Drei TeilnehmerInnen waren Gäste des Lateinamerikabeauftragten der bayerischen Landeskirche, Pfarrer Hans Zeller, auf seiner alljährlichen Dienstreise, die Kosten für die vierte Person – sowie für die privaten Besuchstouren - trugen sie gemeinsam. Nachfolgender Text sowie die Fotos geben einen ersten Eindruck von der Reise, ein ausführlicher, bebilderter Bericht soll bald auf dieser Homepage eingestellt werden:

Wir konnten uns auf dieser Reise intensiv über die in den Partnerkirchen geleistete Stipendienarbeit informieren. Alle Kirchen richteten ein Stipendiatentreffen aus. In El Salvador bekamen wir sogar eine Valentinstorte von unseren "becarias" und den Damen im Bischofsbüro überreicht, weil das Treffen am 14. Februar stattfand. Leider konnten gerade zu diesem Treffen drei StipendiatInnen aus dem Westen des Landes nicht anreisen, da tags zuvor eine Jugendbande den Linienbus überfallen, die Tageskasse geraubt und den Fahrer erschossen hatte. Am nächsten Tag streikten alle Busfahrer der Linie, weil die Polizei ihnen zu wenig Schutz bietet.

Die übrigen StipendiatInnen aus der Hauptstadt San Salvador berichteten - von diesem Ereignis sichtlich betroffen - über ihre gegenwärtige Situation. In der Stadt haben sie es näher zur Uni oder zu Ausbildungsstellen und kommen mit ihrem Studium gut voran. Stolz war die Stipendiatin Xochil über ihr Lizentiat in Psychologie. Sie zeigte uns ihre respektable Urkunde mit Siegel und feierlich gestalteten Unterschriften und hofft sehr darauf, dass sie nun in staatlichen Einrichtungen der Familien- und Jugendhilfe eine Stelle finden kann.

Es ist – trotz der nach wie vor beängstigenden Lage in El Salvador, aber auch in den anderen Ländern - wirklich ermutigend zu sehen, dass eine ganze Reihe von engagierten jungen Menschen einen Ausbildungsweg verfolgen kann, die sonst keine Chance dazu hätten. Immerhin haben fünf unserer StipendiatInnen im vergangenen Jahr ihr Abitur geschafft, mit dem sie bereits Arbeit finden bzw. einen weiteren Ausbildungsweg beschreiten können.
Auch neue BewerberInnen tauchten auf, in El Salvador wie in den anderen Partnerkirchen, so z.B. Diogenes, ein Indigener vom Stamm der Bribri, die südlich von Cahuita an der Ostküste Costa Ricas leben. Er will unter großen Mühen erstmal eine Schulausbildung absolvieren. Hierzu muss er an den Schultagen eineinhalb Stunden durch den Regenwald marschieren und einige Bäche überqueren um an eine Straße zu kommen, auf der ein Bus fährt, der ihn in nochmals einer Stunde zur Schule bringt.

Interessant war die Begegnung mit Maribel, ebenfalls einer Indigenen, und ihrer Familie, die hoch in den Bergen des Reservats von Cabagra an der Westküste Costa Ricas wohnen. Am Ende des Fahrwegs wartete Roxana, die Schwester von Maribel mit zwei Pferden, so dass wir zu ihrer einfachen Hütte hinauf reiten konnten. Maribel hat jeden Tag eine halbe Stunde Fußweg bergab, dann nochmals eine Stunde Fahrt mit zwei Bussen - wenn alles gut geht und die Anschlüsse klappen. Dann dasselbe wieder zurück (nun aber den langen Fußweg bergauf).
Manche jungen Leute müssen schwere Opfer bringen für ihre Ausbildung, besonders die Indigenen, die MigrantInnen und die Menschen auf dem Land wie in Chacalapa, Honduras, das wir nach zweistündiger Fahrt mit einem von Diakon Michael Kemner gemieteten Auto erreichten. Beim dortigen Gottesdienst in der Gemeinde halfen drei Jugendliche im „Sonntagsstaat“ mit, die sich anschließend als Bewerberinnen für ein Stipendium vorstellten, das ihnen wenigstens die tägliche Busfahrt in die nächste Stadt zur Schule finanzieren sollte.

Dass die Gottesdienste unter einem Baum, so romantisch sie sind, auch turbulent verlaufen können, merkten wir in diesem Gottesdienst, in dem unter großer Aufregung der Gottesdienstbesucher eine Schlange durchs Gras heranschlängelte und sich sich dann oben im Baum versteckte. So manche/r blickte während der Lieder und Gebete immer wieder verstohlen nach oben.

Auch in der Armengemeinde Bufalo in La Ceiba baten zwei junge Männer aus der Versammlung um ein Stipendium, ohne das sie keine Ausbildung beginnen können. In diesen beiden honduranischen Gemeinden wirkten nicht die „Filter“, die sonst die nationalen Stipendienkomitees in engem Kontakt mit unseren Stiftungsgremien einrichten. Wir geben den Auswahlausschüssen jährlich an, wie viele „neue“ StipendiatInnen wir im nächsten Jahr angesichts der zur Verfügung stehenden Mittel aufnehmen können. Diese Erfahrungen in den Gemeinden geben aber eine Vorstellung, wie schwer die Auswahl angesichts der großen Nachfrage fallen muss.
Generell können wir in unserer Stiftung gegenwärtig aber nur die Studienabgänger ersetzen und nicht in großem Stil Neuaufnahmen durchführen, weil die Zinslage in Europa so schlecht ist. Doch billigte der Beirat auf seiner letzten Sitzung am 14. Februar die eine oder andere Ausnahme.

Natürlich gab es auch manche problematischen Fälle – vor allem in Honduras (Dania und José) - , über die unsere Gremien zu entscheiden hatten. Die Mitglieder sprachen sich angesichts der aus verschiedenen Gründen mangelnden Studien- und Mitarbeitsleistungen zumindest für eine Unterbrechung des Stipendiums aus.

In El Salvador und Costa Rica wurde in diesen Wochen gewählt. Bischof Melvin Jiménez, Costa Rica, hat den Wahlkampf für die Bürgerrechtsbewegung PAC (Partido Acción Ciutadana) gestaltet. Deren Präsidentschafts-Bewerber Luis Guillermo Solís gewann die erste Wahlrunde. Wenn er nun auch die Stichwahl am 6. April gewinnt, wird „unser Bischof“ wohl Präsidialamtsminister. Der erste lutherische Bischof in verantwortlicher politischer Stellung in diesem traditionell katholisch geprägten Land. In El Salvador gewann mit hauchdünner Mehrheit der ehemalige Guerillero Salvador Sánchez Cerén von der FMLN. Nach langem Hin und Her erkannte die rechtsgerichtete „Arena“ die Wahl an. So kann Cerén die Arbeit seines Vorgängers Mauricio Funes fortsetzen, der erstmals die Macht der Arena brach, aber mit wenig Unterstützung im Parlament regieren musste.

Über unsere Reise wollen wir in der nächsten Revista sowie auf dieser Homepage weiter berichten. Sie war recht anstrengend. Wir besuchten mit Hans Zeller viele diakonische Einrichtungen in der Stadt und Entwicklungsprojekte auf dem Land (z.B. die Saatgutbanken und holzsparenden Öfen in Somotillo oder die „tröpfchenbewässerten“ Versuchsfelder in Rodeo - Nicaragua - mit dem neuen Tiefbrunnen). Auch veranstaltete Hans Zeller in La Palma einen mehrtägigen Workshop mit den bayerischen MitarbeiterInnen in Zentralamerika, den wir – die Mitreisenden des Revista-Teams - zu einem privat bezahlten Ausflug ins antike Maya-Zentrum Tikal im guatemaltekischen Regenwald nutzten. Bei allen aktuellen Themen ist die interessante Geschichte der Region nicht zu vergessen.

In diesen Tagen haben wir viele lange Reisen mit dem Bus bestanden. Dazu kamen die endlosen Aufenthalte an den Grenzen dieser Kleinstaaten, die schon etwas Enervierendes haben. Auf der 10-stündigen Fahrt von Managua nach San José durchquerten wir die Gegend in Nicaragua, in der ein zweiter Panama-Kanal gegraben werden soll - aber ob es je dazu kommt, ist eine andere Frage. Jedenfalls würde die Natur schwer beeinträchtigt - und das zu einer Zeit, in der der Managua-See nicht zuletzt dank deutscher Entwicklungshilfe wieder zu leben beginnt.

Im Ganzen sind wir sehr froh, die Reise gemacht zu haben, zeigte sie doch wieder auf, dass unsere Stiftungsarbeit Menschen zugute kommt, die Hilfe brauchen und die sie auch nutzen, um sich, ihre Familien und ihre Kirche sowie ihre Gesellschaft voranzubringen. Sie kommen damit einige Schritte weiter in einem Leben, das für die Menschen dort nicht einfach ist. Sie freuen sich über die durch das Stipendium gegebenen Möglichkeiten der Ausbildung und des Studiums und sind allen UnterstützerInnen der Döbrich-Stiftung von Herzen dankbar. Dasselbe gilt für ihre Kirchen, die froh sind, ihren jungen Mitgliedern eine gute Perspektive eröffnen zu können.

Feldafing, 31.3.2014
Wolfgang Döbrich