Menu

Bericht über die Dienstreise vom 1. bis 16. August 2010 nach Zentralamerika von Hans Zeller

Bericht über die Dienstreise vom 1. bis 16. August 2010 nach Zentralamerika von Hans Zeller, Lateinamerikareferent

TeilnehmerIn: Landesbischof Dr. Johannes Friedrich, Markus Springer, Journalist, Hans Zeller, Lateinamerikareferent Vikar Eric, Andreas Teltscher, Sozialarbeiter in der Costaricanischen Kirche und Brenda, Stipendiatin der Döbrich-Stiftung zeigen uns die Predigt- und Missionsstation in La Carpio

1. Besuch der Costaricanischen Kirche (ILCO) vom 2. bis 4. August 10

Der Aufenthalt beginnt mit einer Andacht in der Zentrale der ILCO. Das Lied am Anfang ist zugleich das Motto für den geistlichen Impuls: "Ein neuer Himmel und eine neue Erde für die Unterdrückten...." In der anschließenden Reflexion wird der biblische Abschnitt „Jesus auf dem See“ aus dem Johannesevangelium im 6. Kapitel zur Grundlage für die Zusage, dass Gott auch heute sein Volk nicht allein lässt. Die Stürme, die vor allem die indigenen Völker Costa Ricas erleben sind in der Mitte des Raumes kreativ aufgebaut: Klimawandel, Überschwemmungen, Verschmutzung der Flüsse, Ausfall der Ernten. Die indigenen Völker erleben in der ILCO den ausgestreckten Arm Jesu. Die solidarische Haltung der Kirche gibt ihnen Mut, dass sie in den Stürmen des Lebens durchhalten und nach Lösungen suchen um die Schädigungen ihrer Lebensgrundlagen bekämpfen zu können.

1.1. Freiwillige Die Freiwilligen werden an dieser Stelle positiv erwähnt, da sie als diejenigen gesehen werden, die einen solidarischen Einsatz zeigen. Mit netten Worten wird ihr Einsatz gewürdigt und mit einem herzlichen Applaus werden sie von den Mitarbeitenden der ILCO verabschiedet.

1.2. Besuch in La Carpio

In dem Elendsviertel leben 40.000 Menschen, die zumeist aus wirtschaftlichen Gründen aus Nicaragua nach Costa Rica gekommen sind. Das Gemeindezentrum mit der Ludothek wird uns von der Stipendiatin Brenda gekonnt vorgestellt. Von der Döbrichstiftung bekommt sie eine Unterstützung, damit sie studi eren kann. Andreas Teltscher, ILCO Mitarbeitender, führt uns durch das Elendsviertel und um uns herum ist das 2 ganze Elend nicht nur sichtbar sondern auch riechbar, da die Menschen zusammengepfercht in Blechhütten neben einer Mühlkippe leben.

1.3. Botschaftsbesuch

In der Botschaft erfahren wir, dass die Bundesregierung vor allem in der Nachhaltigkeit der Waldbewirtschaftung und in der Energieerzeugung aus regenerierbaren Materialien aktiv ist. Heute hat Costa Rica noch einen Waldanteil von 25 %. Früher waren es 50 %. Deshalb ist die Aufforstung ein wichtiger Bestandteil um das natürliche Gleichgewicht in der Natur zu stärken.

 

2. Besuch der Kirche in El Salvador vom 5. bis 8. August

Neben den Besuchen der Kirchen in Zentralamerika gehörten auch Begegnungen mit den Botschaften zu der Reise mit Dr. Johannes Friedrich.

2.1 Besuch in der deutschen Botschaft

In El Salvador empfing uns Dr. Christian Stocks. Er war erst vor kurzem als Botschafter nach El Salvador gekommen. Da in der ersten Augustwoche in El Salvador Ferien (zu Ehren Jesu Christus, der als Retter der Welt dem Land seinen Namen gegeben hat) sind und viele Feierlichkeiten veranstaltet werden, wurden wir in das Privathaus des Botschafters eingeladen. Der Mittelpunkt des Gesprächs war die wachsende Gewalt in El Salvador. Der Höhepunkt war wohl der Überfall auf einen Bus bei dem 14 Menschen grausam ermordet wurden. Die schwierige ökonomische Situation ist die Grundlage dafür, dass Menschen in die Kriminalität abwandern und die Banden sich über Zuwachs nicht beklagen müssen.

2.2. Nein zur Gewalt, ja zum Leben

Die Prozession, die regelmäßig am 6. August von der Lutherischen Kirche in El Salvador veranstaltet wird h atte deshalb auch dieses Mal das Motto: ¡No a la violencia, si a la vida! (Nein zur Gewalt, ja zum Leben!) Vor dem Beginn wurde der Landesbischof zu einem Radiointerview bei dem Radiosender „Nuestra gente“ eingeladen. Auch an dieser Stelle war das Hauptthema die zunehmende Gewalt im Lande. Unter anderem wurde Dr. Friedrich gefragt, „was er der Regierung El Salvadors raten könne, damit das Land die wirtschaftliche Krise überwinden könne?“ Der Bischof antwortete darauf, „dass er nicht der Berater der Regierung sein könne, sondern die Beiträge der lutherischen Kirche El Salvadors zur Entwicklung des Landes unterstütze.“ Damit war auch unser Konzept von Partnerschaft, dass die bayerische Landeskirche mit ihren Partnerkirchen hat für die Hörerinnen und Hörer gut erklärt. Ca.2.000 Lutheraner nahmen an dieser Prozession teil, die mit einer Schlusskundgebung vor der lutherischen Kirche in El Salvador beendet wurde. Außer der bayerischen Delegation nahmen verschiedene Delegationen aus den USA daran teil. In seinem Grußwort betonte der Landesbischof, dass die Bildung ein gutes Instrument sei, damit junge Menschen nicht in die Gewalt- und Drogenszene abrutschen, sondern mit ihrem Können sich eine Lebensexistenz aufbauen können.

2.3. Gottesdienst in der Auferstehungskirche in San Salvador

Am Sonntag predigte der bayerische Landesbischof in der Auferstehungskirche in El Salvador. Sein Thema war die sichtbare Vielgestaltigkeit der Kirche in den verschiedenen Konfessionen, die aber in der unsichtbaren Kirche eine Einheit im Glauben an Jesus Christus als den Retter der Welt ist.

2.4. Besuch der ländlichen Gemeinde Las Minas

Am Sonntagnachmittag besuchten wir dann die Kirche in Las Minas. Der gute Besuch des Gottesdienstes ist mit ein Verdienst des Diakonenehepaares Waltraud und Helmut Köhler. Seit fast 6 Jahren arbeiten sie nun schon in der Gemeinde und schon an dem herzlichen Empfang war klar, dass sie das vollste Vertrauen der Gemeindeglieder genießen. Wobei im Ablauf des Gottesdienstes deutlich wird, dass die Kirche nicht aus dem Pfarrer besteht, sondern viele Gemeindeglieder in den Ablauf des Gottesdienstes eingebunden sind. Es hat wohl lange gedauert bis es soweit war, dass die Gemeindeglieder die gesamte Verantwortung für ihre Kirche übernommen haben, aber heute ist es so und ein schönes Zeugnis dafür, dass Gemeindeaufbau in El Salvador möglich ist.

2.5. Begegnung mit den Stipendiaten

Wie in allen zentralamerikanischen Kirchen gehörte auch in El Salvador eine Runde mit den Stipendiaten der Annette und Wolfgang Döbrich Stiftung und des Centrums Mission EineWelt dazu. Beeindruckend erzählte Mariesol aus ihrem Leben. Vor 5 Jahren gingen ihre Eltern in die USA um den 3 Kindern in El Salvador ein besseres Lebens zu ermöglichen. Durch die wirtschaftliche Rezession gingen aber diese Pläne nicht auf. Ihr Studium könnten sie nicht fortführen, wenn sie nicht das Stipendium aus Bayern bekämen. Seit 5 Jahren sind sie auf sich alleine gestellt. Der jüngste Sohn wohnt bei der Oma. Die älteren Beiden sind unter der Woche an der Universität in San Salvador und kommen am Wochenende nach Las Minas und helfen in der Kirche mit.

 

3. Besuch der Kirche "Glaube und Hoffnung" in Nicaragua vom 9. bis 12. August

3.1. Ländliche Projekte

In Nicaragua besuchen wir in Somotillo auf unzugänglichen Feldwegen (nur durch Allradantrieb zugänglich) das Projekt der ländlichen Entwicklung, das auch durch die bayerische Landeskirche unterstützt wurde. Beeindruckt sind wir von der ökologischen Anbauweise, die die Bauern durch das Programm der Kirche „Glaube und Hoffnung“ erlernt haben. In der Vergangenheit wurden Monokulturen angebaut, die zusammen mit den klimatischen Veränderungen Bodenerosion und eine Auszehrung der Böden mit sich brachten. Heute bauen die Bauern in ökologischer Anbauweise heimische Pflanzen in Mischkulturen an und gehen vor allem achtsam mit dem Wasser und dem Boden um. Damit können sie ihre Ernährung sicher stellen und gleichzeitig bleibt noch etwas übrig, was sie auf dem Markt verkaufen können.

3.2. Politische Situation In den Gesprächen mit den verschiedenen Personengruppen wird deutlich, dass der Präsident Daniel Ortega, der überall mit Plakaten präsent ist die Revolution verraten hat. Übereinstimmend hören wir, dass es zwar einen sozialistischen Diskurs gibt, aber die Regierung vor allem an der Macht klebt und das Land in einer Art Gutsherrenwirtschaft verwaltet. In einer Form von Gauleitersystem wurde mit den CPC´s eine Parallelstruktur zur Parteienlandschaft eingerichtet, die von der Präsidentengattin verwaltet wird. Auf Kritik stößt auch die Tatsache, dass der Präsident im nächsten Jahr inzwischen schon bei 35 %, bei 5 % Abstand zum nächsten Kandidaten, der abgegebenen Stimmen gewählt sein wird.

3.3. Aufbau der Kirche

Im Bischofsbüro diskutieren wir eifrig über den Aufbau der Kirche „Glaube und Hoffnung“. Die Bischöfin Victoria erklärt uns die Struktur der Kirche. Zwei Pfeiler prägen das integrale Pastorenamt: Diakonie und Pastorale Arbeit. Mit der pastoralen Arbeit ist die diakonische eng verbunden. In den verschiedenen Projekten in den ländlichen Gebieten können wir dies deutlich erleben. Es geht nicht nur um die Predigt der frohen Botschaft, sondern genauso um die Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen. In Somotillo konnten wir die diakonische Arbeit der Pfarrerinnen und Pfarrer sehen und spürten auch, dass die Leute sehr dankbar sind für die Betreuung und sich deshalb auch als Lutheraner bekennen.

3.4. Besuch in Somoto

Bei dem Besuch in Carbonera (Name für Köhlerei) fällt uns auf, dass die Kinder unterernährt sind. Es wird uns erklärt, dass lange Trockenzeiten die Brunnen vertrocknen lassen und die Nahrungssicherheit in Frage stellen. Selbstverständlich feiern wir in einem kleinen Vorplatz eine kleine Andacht mit Gebet. Diese Spiritualität gehört zum Leben der Menschen. Die Pfarrerin Melba wird als Lebensberaterin sehr geschätzt und mit ihren Andachten stärkt sie die Menschen, die oft auf sich allein gestellt sind.

 

4. Besuch der christlich-lutherischen Kirche in Honduras vom 12. bis 15. Aug. 10

Es gibt ca. 1900 Gemeindeglieder und zwei ordinierte Pastoren (Hernán Lopez und Martin Girón) und einen ordinierten Missionar (Antonio Ottobelli da Luz) aus Brasilien. Eine Vikarin (Berta Ramirez) steht kurz vor ihrer Übernahme in den kirchlichen Dienst. Darüber hinaus sind vier Evangelisten und zwei Pastoren Evangelisten in der Kirche tätig. Durch die finanziellen Einschränkungen mussten Mitarbeitende entlassen werden und dies wirkte sich nicht besonders positiv auf die Stimmung in der Kirche aus. Die Kirche arbeitet mit dem integralen Pastorenkonzept. Neben der pastoralen Arbeit übernehmen die Mitarbeitenden immer auch soziale Aufgaben. Durch den Putsch besteht in Honduras eine große Unsicherheit. Die Mordrate ist enorm gestiegen und das zivile Leben kommt nur ganz langsam in Gang. Während unseres Aufenthaltes streikten die Lehrer und von jungen Menschen erfahren wir, dass sie ihr Studium nicht weitermachen konnten, da in der Universität der Unterricht ausfiel. Der Sohn des Koordinators des lutherischen Weltbundes in Honduras, Hector Soto, bekommt Morddrohungen, da er die Menschenrechtsorganisationen in Honduras vertritt. Dies zeigt wie schwierig die Situation in Honduras ist.

4.1. Die Deutsche Botschaft

wurde gleich nach dem Putsch im letzten Jahr geschlossen. Sie wurde aber inzwischen wieder geöffnet. Das Ziel deutscher Entwicklungshilfe in Honduras ist: Verbesserung der Bildung, zivilgesellschaftliche Erziehung und die Verbesserung der zivilen Sicherheit. In der Botschaft ist das Hauptthema ebenfalls die Kriminalität. Es wird uns erzählt, dass kürzlich die Waffen registriert wurden und es wurden neue Regelungen über den Waffenbesitz getroffen. Danach darf eine Person fünf Waffen besitzen und davon wiederum zwei am Körper tragen. 8 Millionen Waffen wurden bei der Aktion registriert und man rechnet damit, dass es darüber hinaus 1 Million nichtregistrierter Waffen gibt. Die Armut ist in dem Land sehr groß. 60 % der Bevölkerung verdient weniger als 2 USD pro Tag und die Folge davon ist Unter- und Mangelernährung.

4.2. El Olvido – Dorf mit 300 Einwohnern

Die Gemeinde in El Olvido ist eine der ersten lutherischen Gemeinden in Honduras gewesen. Eine Kirche mit ca. 100 Plätzen steht in der Mitte des Dorfes. Bei unserem Besuch empfangen uns in der Kirche 50 Kinder und 10 Erwachsene. Die Evangelistin Alba Luz leitet die Gemeinde. Sie wird von der Evangelistin Antonia Muñoz aus der Santa Cruz de Yojoa unterstützt, die sie regelmäßig besucht und mit ihr das Programm bespricht. Die Kirche wie die Menschen in Region sind sehr arm. Wenn regelmäßige pastorale Betreuung möglich wäre, dann könnte sicher eine gute Arbeit mit den zahlreichen Kindern aufgenommen werden.

4.3. Santa Cruz de Yojoa

Die Gemeinde hat 30 Mitglieder. Wir kommen in einer kleinen Kirche mit ca. 50 Sitzplätzen zusammen und feiern miteinander einen Abendmahlsgottesdienst. Der Gottesdienst wird von einem Jugendlichen moderiert, aber die Verantwortung liegt aber in den Händen der Evangelistin Antonia Muñoz. Auch hier treffen wir viele Kinder an, aber auch eine größere Gruppe von Erwachsenen nimmt an dem Gottesdienst teil. Die Kinder sind bei allen Begegnungen mit dabei!

4.4. Bueno Pastor in San Pedro Sula

Die Kirchengemeinde “Zum guten Hirten” in San Pedro Sula ist die größte Gemeinde in der christlich-lutherischen Gemeinde in Honduras. Die Kirche bietet Platz für 150 Gläubige. Sie ist schön hergerichtet. Bei dem Gottesdienst in dem fünf Jugendliche von Landesbischof Dr. Friedrich getauft werden sind 100 Gemeindeglieder anwesen. Der Gottesdienst wird von Pastor Hernán Lopez geleitet und die Predigt wurde von unserem Landesbischof übernommen. Mit einem gemeinsamen Mittagessen im Hof der Kirche wird die Bischofsreise beendet.

 

5. Zusammenfassung

Der Besuch hat gezeigt, dass die Spiritualität der lutherischen Kirchen in Zentralamerika anders als in Deutschland gelebt wird. Obwohl sie klein sind haben sie inzwischen als Kirchen mit großer sozialdiakonischer Kompetenz eine wichtige Funktion in der zentralamerikanischen Gesellschaft eingenommen.

Die zentralamerikanischen Kirchen sind sehr jung und sie sind vom katholischen Kontext stark geprägt. Sie sind zudem in einem Kontext der Armut entstanden und diese Armut wird sie weiterhin prägen. Deshalb werden sie auch in Zukunft von der finanziellen Hilfe aus dem Ausland abhängen. In der Regel werden sie durch charismatische Führungspersönlichkeiten geleitet, die dabei sind demokratische Strukturen zu schaffen. Dort wo eine charismatische Führungsperson fehlt gibt es ein gewisses Leitungsvakuum, das zu Irritationen in der Kirche führt.

Die zentralamerikanischen Kirchen befinden sich in der Region, die am stärksten von den Umweltveränderungen (Klimaerwärmung) beeinflusst ist. Deshalb ist neben der pastoralen Arbeit die sozialdiakonische Funktion sehr wichtig.

Die Freiwilligen übernehmen wichtige Tätigkeiten in diesen Kirchen und sie sind sehr geschätzt. Deshalb wird der Wunsch nach der Erhöhung der Stellenzahl geäußert.

Die Länder werden von Links- und Rechtsregierungen regiert. Wesentliche Auswirkungen auf die Situation der Menschen der Zivilgesellschaft sind dabei nicht zu spüren. Alle Länder (bis auf Costa Rica) sind von einer großen Arbeitslosigkeit und Armut geprägt. Die Folge davon ist eine starke Kriminalität.

Es wird der Wunsch nach Mitarbeitenden und Missionarinnen und Missionaren aus Deutschland mehrmals erwähnt. Die Voraussetzung dafür ist die spanische Sprache und dass sie sich auf den zentralamerikanischen Kontext einlassen.

Die zentralamerikanischen Kirchen wünschen die Verlängerung des Vertrages mit der Evang.

Luth. Kirche in Bayern und möchten auch den Dreiervertrag zwischen der brasilianischen, bayerischen und den zentralamerikanischen Kirchen fortsetzen. Daran wird deutlich, dass die bisherige Partnerschaft segensreich gewirkt hat. Die bayerische Kirche kann an diese Kirchen Segen weitergeben, den sie selbst auch erhalten hat, so wie wir im 1. Mosebuch 12 lesen können: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein“.